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Krankenversicherung für Studierende 2026: Vergleich
Studentisches Leben 7. April 2026

Krankenversicherung für Studierende 2026: Vergleich

GKV in Deutschland ~110 €/Monat, NHS Großbritannien kostenlos, USA 2.000–3.000 $/Jahr, Australien OSHC ab 500 AUD — alles im Überblick.

Study Abroad Editorial Team
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7. April 2026
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12 Min. Lesezeit
| Studentisches Leben

Die Kosten für eine Krankenversicherung als Studierender im Ausland reichen von 103 € pro Jahr in Frankreich bis zu 3.000 US-Dollar pro Jahr in den USA — ein Unterschied von fast dem 30-Fachen. Wer hier spart oder die falsche Police wählt, riskiert im Ernstfall eine Rechnung über Zehntausende Euro. Dieser Vergleich zeigt dir, was du in den wichtigsten Studienländern bezahlst, was abgedeckt ist und worauf du achten musst.

Übersicht: Kosten nach Land

Land System Kosten (Studierende) Leistungsumfang
Deutschland Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ca. 110 €/Monat Sehr gut
Frankreich Sécurité Sociale + Mutuelle 103 €/Jahr + ca. 15 €/Monat Gut
Großbritannien NHS (im Visum enthalten) 776 £/Jahr (IHS) Gut
Niederlande Zorgverzekering ca. 140 €/Monat Sehr gut
Australien OSHC (Pflicht) 500–700 AUD/Jahr Gut
Kanada Provinz + Uni-Plan 600–900 CAD/Jahr Gut
USA Uni-Plan oder privat 2.000–3.000 $/Jahr Variabel
Japan Nationale Krankenversicherung ca. 15.000–25.000 ¥/Jahr Gut

Deutschland: GKV für Studierende unter 30

Wenn du an einer deutschen Hochschule eingeschrieben bist, bist du in der Regel pflichtversichert in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Bist du unter 30 Jahre alt und verdienst nicht mehr als 556 € im Monat, zahlst du den günstigen Studierendentarif: zusammen mit der Pflegeversicherung rund 110–120 € pro Monat.

Dafür bekommst du: Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte, Medikamente (5–10 € Eigenanteil pro Packung), Facharztbehandlungen, Zahnarztvorsorge und psychotherapeutische Behandlung. Beliebte Kassen bei internationalen Studierenden sind die TK (Techniker Krankenkasse) — wegen des englischsprachigen Kundendienstes — sowie AOK und Barmer.

Die Krankenkasse stellt dir eine Mitgliedsbescheinigung aus, die du bei der Immatrikulation einreichen musst. Melde dich frühzeitig an, am besten noch vor dem Semesterbeginn.

Private Krankenversicherung in Deutschland: Günstiger, aber riskanter

Wer über 30 ist, zu viel verdient oder als Doktorand nicht mehr unter den Studentenstatus fällt, kann eine private Krankenversicherung (PKV) ab etwa 40–80 € im Monat abschließen. Günstig klingt das, aber die PKV schließt oft Vorerkrankungen, psychische Erkrankungen und Rücktransport aus — und der Wechsel zurück in die GKV ist schwierig. Wenn du unter 30 und GKV-berechtigt bist, ist das die bessere Wahl.

Frankreich: CVEC und Sécurité Sociale

Frankreich ist eines der günstigsten Studienländer in Sachen Gesundheitsversorgung. Mit der CVEC (103 € für 2025/26), die du bei der Immatrikulation zahlst, bekommst du Zugang zur nationalen Krankenversicherung. Das System erstattet 70 % der Arztkosten (25 € pro Termin beim Hausarzt), 80 % der Krankenhauskosten und je nach Medikament 15–100 % der Rezeptkosten.

Die meisten Studierenden ergänzen das durch eine Mutuelle complémentaire (Zusatzversicherung) für 10–20 € im Monat. Ohne sie zahlst du 7,50 € pro Arztbesuch selbst — überschaubar, summiert sich aber. Viele Hochschulen bieten günstige Gruppen-Mutuelles an.

Großbritannien: NHS und der IHS-Beitrag

Der britische National Health Service (NHS) ist kostenlos am Ort der Behandlung — aber internationale Studierende zahlen den Zugang im Voraus über den Immigration Health Surcharge (IHS): aktuell 776 £ pro Jahr, zahlbar bei der Visumsbeantragung. Für ein dreijähriges Studium sind das 2.328 £ zusätzlich zur Visumsgebühr.

Mit einem gültigen Visum hast du vollen NHS-Zugang: Hausarzt, Krankenhaus, psychische Gesundheitsversorgung, Rezepte (Pauschalgebühr 9,90 £ pro Medikament in England; kostenlos in Schottland, Wales und Nordirland). Wer schneller zum Facharzt will, kauft manchmal eine private Zusatzversicherung (20–40 £/Monat).

Australien: OSHC ist Pflicht

In Australien ist die Overseas Student Health Cover (OSHC) eine Visa-Voraussetzung — kein optionales Extra. Sie muss die gesamte Aufenthaltsdauer abdecken. Die Kosten liegen bei 500–700 AUD pro Jahr für Einzelpersonen. Hauptanbieter sind Medibank, Bupa, AHM und nib. Deine Uni hat oft einen Gruppenvertrag — schaue das unbedingt nach, bevor du selbst buchst.

Die OSHC deckt Arztbesuche, stationäre Behandlung, begrenzte Zahn- und Sehnotfälle und Rettungsdienst. Nicht abgedeckt sind Vorerkrankungen in den ersten 12 Monaten, planbare Eingriffe und reguläre Zahnbehandlungen. Weitere Details findest du in unserem Australien-OSHC-Leitfaden.

USA: Das teuerste System der Welt

In den USA gibt es keine allgemeine Krankenversicherungspflicht für internationale Studierende, aber fast alle Universitäten verlangen eine eigene Police. Uni-eigene Pläne kosten 2.000–3.000 Dollar pro Jahr, an Eliteuniversitäten bis zu 5.000 Dollar. Dazu kommen Selbstbehalte (Deductibles) von 500–1.500 Dollar und Co-Pays von 20–50 Dollar pro Besuch.

Ein Notaufnahmebesuch ohne Versicherung kostet schnell 5.000–30.000 Dollar. Ein Krankenwagen schlägt mit im Durchschnitt 1.200 Dollar zu Buche. Eine Übernachtung im Krankenhaus kostet 15.000 Dollar. Lies den Summary of Benefits deines Uni-Plans gründlich durch — vor allem den Abschnitt zu Selbstbehalt und Netzwerkärzten.

Kanada: Provinz und Uni-Plan

Kanadas Gesundheitssystem ist Ländersache. In Ontario gibt es eine 3-monatige Wartezeit für den OHIP-Beitritt; British Columbia hat keine Wartezeit mehr. Universitäten bieten meist Pflichtpläne für 600–900 CAD pro Jahr, die diese Lücken schließen. Medikamente, Zahnarzt und Optik sind separat versichert — in der Regel über denselben Uni-Plan.

Japan: Günstige Nationale Krankenversicherung

Japans National Health Insurance (NHI) gilt für alle Einwohner — auch internationale Studierende. Der einkommensabhängige Beitrag liegt für Studierende mit minimalem Einkommen bei nur 15.000–25.000 Yen pro Jahr (ca. 90–150 €). Das System deckt 70 % der Kosten; du zahlst 30 % selbst. Ein Arztbesuch kostet dich damit in der Regel 3.000–6.000 Yen aus eigener Tasche. Anmeldung: innerhalb von 14 Tagen nach Wohnsitzregistrierung beim Gemeindeamt.

Vorerkrankungen: Was du wissen musst

Die gesetzlichen Systeme in Deutschland, Frankreich und Großbritannien decken Vorerkrankungen von Tag eins ohne Ausschlüsse ab. Australiens OSHC schließt Vorerkrankungen in den ersten 12 Monaten aus (Notfälle ausgenommen). US-Uni-Pläne müssen Vorerkrankungen versichern, aber hohe Selbstbehalte bedeuten, dass du trotzdem zuerst tausende Dollar zahlst. Private internationale Versicherungen schließen Vorerkrankungen fast immer aus.

Psychische Gesundheit: Große Unterschiede

Deutschland erstattet Psychotherapie über die GKV, aber die Wartezeit bei Kassensitzen beträgt 3–6 Monate. Der britische NHS hat ähnliche Wartezeiten für Gesprächstherapie. Australiens OSHC ermöglicht über eine Hausarzt-Überweisung bis zu 10 Psychologiestunden pro Jahr (Medicare-Zugang). US-Uni-Pläne umfassen meist 8–12 Beratungsgespräche pro Jahr am Campus Health Center. Weitere Hilfestellung findest du in unserem Leitfaden zu psychischer Gesundheit im Ausland.

5 typische Fehler, die Studierende machen

  1. Reiseversicherung mit Krankenversicherung verwechseln. Reiseversicherungen decken Notfälle und Rücktransport ab — keine laufende Behandlung, keine Psychotherapie, keine Rezepte.
  2. Nicht rechtzeitig anmelden. In Deutschland, Frankreich und Japan musst du dich kurz nach der Ankunft registrieren. Versäumst du das, gibt es Lücken im Versicherungsschutz.
  3. Den Selbstbehalt übersehen. US-Pläne mit niedrigen Prämien haben oft 3.000 Dollar Selbstbehalt — du zahlst alle Kosten bis zu dieser Summe selbst.
  4. Keine Zusatzabsicherung für Reisen innerhalb Europas. Die deutsche GKV gilt in der Regel nur in Deutschland. Für Trips innerhalb Europas lohnt eine günstige Reisekrankenversicherung (1–3 €/Tag).
  5. OSHC auslaufen lassen. Die australische Visumpflicht schreibt durchgehenden OSHC-Schutz vor. Verlängere mindestens einen Monat vor dem Ablaufdatum.

Häufige Fragen

Brauche ich eine zusätzliche Versicherung, wenn mein Uni-Plan Gesundheit abdeckt?

Meistens nicht — aber lies den Plan genau. Besonders in den USA und Australien gibt es oft hohe Selbstbehalte oder Ausschlüsse für psychische Gesundheit. Ergänzende Zahnzusatz- oder Reisekrankenversicherungen können sinnvoll sein.

Gilt meine EHIC-Karte außerhalb Europas?

Nein. Die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) gilt nur innerhalb der EU/EEA für Notfälle und notwendige Behandlungen. In den USA, Australien oder Kanada hast du damit keinen Versicherungsschutz.

Was passiert, wenn ich vor Versicherungsbeginn krank werde?

Schließe eine Reisekrankenversicherung ab, die ab dem Abflugtag gilt, und wechsle dann zum Uni-Plan. Lass keine Lücke entstehen — besonders in den USA kann das sehr teuer werden.

Ist Zahnbehandlung in der Krankenversicherung enthalten?

In der deutschen GKV sind Vorsorge und einfache Füllungen dabei. In Großbritannien gibt es regulierte NHS-Zahnarzttarife. Australiens OSHC deckt nur Zahnnot­fälle ab. In den USA ist Zahnversicherung meist optional (15–25 $/Monat extra).

Wie finde ich einen Arzt in einem fremden Land?

Starte beim Studierendenwerk oder der internationalen Abteilung deiner Hochschule — die haben Listen empfohlener Praxen. In Deutschland hilft die TK-Arztsuche online. In Großbritannien meldest du dich direkt bei einer Hausarztpraxis (GP surgery) an — am besten sofort nach Ankunft.

Welches Studienland ist am günstigsten in Sachen Gesundheitskosten?

Frankreich gewinnt: CVEC (103 €/Jahr) plus Mutuelle (ca. 180 €/Jahr) ergibt rund 280–300 € gesamt. Japan ist mit umgerechnet 90–150 € pro Jahr ähnlich günstig. Deutschland liegt mit ca. 1.320 €/Jahr höher, bietet dafür aber einen der umfassendsten Leistungskataloge weltweit.

Bekomme ich als internationaler Studierender in Deutschland sofort GKV-Schutz?

Ja, ab dem Datum deiner Anmeldung bei der Kasse — nicht erst ab Semesterbeginn. Melde dich deshalb so früh wie möglich, idealerweise vor dem ersten Arztbesuch.

Tags: Krankenversicherung Studieren im Ausland GKV OSHC NHS