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Erasmus+ Ratgeber: So sicherst du dir 2026 die Förderung
Finanzen 26. März 2026

Erasmus+ Ratgeber: So sicherst du dir 2026 die Förderung

Erasmus+ zahlt bis zu 700 €/Monat für Studien- oder Praktikumsaufenthalte in 33 Ländern. Alle Beträge, Fristen und der komplette Bewerbungsablauf für 2026.

Study Abroad Team
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26. März 2026
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18 Min. Lesezeit
| Finanzen

Erasmus+ ist das Flaggschiff-Programm der Europäischen Union für Bildung, Ausbildung und Jugendmobilität. Seit 1987 hat das Programm über 13 Millionen Teilnehmende ins Ausland geschickt. Im Jahr 2026 arbeitet Erasmus+ mit einem Gesamtbudget von über 26 Milliarden Euro für den Förderzeitraum 2021–2027 und ist damit der größte Fördermechanismus für Studierendenaustausch weltweit. Wenn du die Staatsangehörigkeit eines EU-Mitgliedstaats, eines EWR-Landes oder eines assoziierten Partnerlandes besitzt, kann Erasmus+ einen Großteil deiner Lebenshaltungskosten während eines Studienaufenthalts oder Praktikums in einem anderen teilnehmenden Land übernehmen.

Dieser Ratgeber behandelt alle Erasmus+-Förderstränge für Studierende: Credit Mobility (das klassische Auslandssemester), Erasmus Mundus Joint Master Degrees und Blended Intensive Programs. Wir erklären die genauen Förderhöhen nach Ländergruppe, gehen den Bewerbungszeitplan durch und zeigen die häufigsten Fehler, die zu Ablehnungen führen. Ob du in Deutschland, Frankreich, Spanien, den Niederlanden oder Italien studieren willst—dieser Artikel zeigt dir, wie Erasmus+ diesen Schritt finanzieren kann.

Was Erasmus+ konkret abdeckt

Erasmus+ ist kein einzelnes Stipendium. Es ist ein Dachprogramm mit mehreren Fördersträngen, die jeweils einem anderen Zweck dienen. Die drei relevantesten für Studierende sind:

Credit Mobility (Leitaktion 1) finanziert ein Semester oder Studienjahr an einer Partnerhochschule in einem anderen Erasmus+-Land. Du bleibst an deiner Heimatuni eingeschrieben, sammelst ECTS-Punkte im Ausland und erhältst einen monatlichen Zuschuss. Das ist es, was die meisten unter „Erasmus" verstehen.

Erasmus Mundus Joint Master Degrees (EMJMD) sind vollfinanzierte zweijährige Masterstudiengänge, die von Konsortien aus mindestens drei Hochschulen in verschiedenen Ländern angeboten werden. Du studierst an zwei oder mehr Institutionen und erhältst einen gemeinsamen oder multiplen Abschluss. Das Stipendium deckt Studiengebühren, Reisekosten, Versicherung und eine monatliche Unterhaltsbeihilfe.

Blended Intensive Programs (BIPs) kombinieren eine kurze physische Mobilität (5 bis 30 Tage) mit einer virtuellen Komponente. Sie eignen sich für Studierende, die kein ganzes Semester im Ausland verbringen können, aber internationale Erfahrung und ECTS-Punkte sammeln wollen.

Erasmus+ Credit Mobility: Förderhöhen

Der monatliche Zuschuss richtet sich nach dem Zielland. Die Europäische Kommission teilt die teilnehmenden Länder in drei Lebenshaltungskostengruppen ein. Die Beträge wurden für den Zeitraum 2024–2027 erhöht und gelten für Austausche im Jahr 2026:

Ländergruppe Länder Monatlicher Zuschuss (Studium) Monatlicher Zuschuss (Praktikum)
Gruppe 1 (Hoch) Dänemark, Finnland, Island, Irland, Liechtenstein, Luxemburg, Norwegen, Schweden 490–600 € 640–750 €
Gruppe 2 (Mittel) Belgien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Malta, Niederlande, Portugal, Spanien, Zypern, Österreich 420–540 € 570–690 €
Gruppe 3 (Niedrig) Bulgarien, Estland, Kroatien, Lettland, Litauen, Nordmazedonien, Polen, Rumänien, Serbien, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Türkei, Ungarn 330–490 € 480–640 €

Die Spanne innerhalb jeder Gruppe entsteht dadurch, dass die nationale Agentur deiner Heimathochschule den genauen Betrag festlegt. Ein französischer Studierender, der nach Deutschland geht, erhält vielleicht 490 €/Monat, während ein spanischer Studierender im gleichen Austausch 450 € bekommt. Praktikumszuschüsse liegen 150 €/Monat über den Studienzuschüssen, weil Praktikanten keinen Zugang zu Studierendenwohnheimen oder Mensen haben.

Aufstockungsbeträge

Mehrere Kategorien von Studierenden erhalten zusätzliche monatliche Förderung über den Basiszuschuss hinaus:

  • Weniger Möglichkeiten (fewer opportunities): Studierende aus benachteiligten sozioökonomischen Verhältnissen erhalten zusätzlich 250 €/Monat. Jede nationale Agentur definiert die Kriterien. In Deutschland qualifizieren sich BAföG-Empfänger automatisch.
  • Grünes Reisen: Studierende, die mit Zug, Bus oder Fahrgemeinschaft zum Gastland reisen, erhalten eine einmalige Zulage von 50 € plus bis zu 4 zusätzliche Reisetage, die durch den Zuschuss gedeckt sind.
  • Studierende mit Behinderung: Zusätzliche Mittel decken nachgewiesene Mehrkosten. Es gibt keine feste Obergrenze; der Betrag orientiert sich am tatsächlichen Bedarf.

So bewirbst du dich für Erasmus+ Credit Mobility

Du bewirbst dich nicht bei der Europäischen Kommission. Du bewirbst dich über das International Office deiner Heimathochschule. Hier der typische Zeitplan für ein Austauschsemester im Wintersemester 2026:

Schritt 1: Partnerhochschulen prüfen (September–Oktober 2025)

Deine Heimathochschule hat bilaterale Vereinbarungen mit bestimmten Partnereinrichtungen. Du kannst nur an eine Partnerhochschule gehen, die ein aktives Erasmus-Abkommen mit deiner Fakultät hat. Das International Office führt eine Liste. Fang dort an, nicht bei Google.

Schritt 2: Bewerbung vorbereiten (Oktober–Dezember 2025)

Die meisten Hochschulen verlangen ein Motivationsschreiben, dein Transcript of Records, ein Sprachzertifikat (in der Regel B1 oder B2 in der Landessprache oder Englisch) und ein vorläufiges Learning Agreement mit den Kursen, die du im Ausland belegen willst. Manche verlangen die Unterschrift eines Fachbereichsbetreuers.

Schritt 3: Fristgerecht einreichen (Januar–Februar 2026)

Interne Fristen variieren. Die meisten liegen zwischen Dezember und Februar für das folgende Studienjahr. Verspätete Bewerbungen werden fast nie akzeptiert, weil die Partnerhochschulen feste Aufnahmequoten haben.

Schritt 4: Nominierung und Zusage (März–April 2026)

Deine Heimathochschule nominiert dich bei der Gasthochschule. Die Gasthochschule sendet dir dann eine Zusage und Einschreibungsunterlagen. Das ist ein Verwaltungsvorgang, kein Wettbewerb—wenn deine Heimathochschule dich nominiert, nimmt die Gasthochschule dich in fast allen Fällen an.

Schritt 5: Learning Agreement finalisieren (April–Juni 2026)

Das Learning Agreement ist ein Dreiervertrag zwischen dir, deiner Heimathochschule und der Gasthochschule. Es listet die Kurse auf, die du im Ausland belegst, und bestätigt, wie die Credits angerechnet werden. Alle drei Parteien müssen vor deiner Abreise unterschreiben.

Schritt 6: Förderung erhalten (vor der Abreise oder im ersten Monat)

Die meisten Hochschulen zahlen 70–80 % des Gesamtzuschusses vor der Abreise und den Rest nach Einreichung deiner Abschlussbescheinigung. Manche zahlen monatlich. Der genaue Zeitplan hängt von deiner nationalen Agentur ab.

Erasmus Mundus Joint Master Degrees

Erasmus Mundus ist ein eigenständiges Programm. Es finanziert komplette Masterstudiengänge, keine Austauschsemester. Jeder EMJMD wird von einem Konsortium aus drei oder mehr Hochschulen in mindestens zwei Ländern angeboten. Im Jahr 2026 gibt es über 190 EMJMD-Programme in allen akademischen Bereichen.

Was das Stipendium abdeckt

Komponente Betrag
Studiengebühren Vollständig gedeckt (bis 9.000 €/Jahr für Partnerland-Studierende, 4.500 € für Programmland-Studierende)
Monatliche Unterhaltsbeihilfe 1.400 €/Monat für die gesamte Dauer
Reisekosten 1.000–3.000 €/Jahr je nach Entfernung zum Heimatland
Einrichtungspauschale 1.000 € einmalig
Versicherung Vom Konsortium übernommen

Der Gesamtwert eines EMJMD-Stipendiums über zwei Jahre liegt zwischen 40.000 und 50.000 € je nach Programm. Damit gehört es zu den großzügigsten Graduiertenstipendien weltweit.

Wer sich bewerben kann

Erasmus Mundus steht Studierenden aus jedem Land der Welt offen. Du musst kein EU-Bürger sein. Tatsächlich reserviert das Programm die Mehrheit der Stipendien für Bewerber aus Partnerländern (Nicht-EU-Staaten). Die Zulassungsvoraussetzungen variieren je nach Programm, umfassen aber in der Regel einen abgeschlossenen Bachelor, einen Nachweis der Englischkenntnisse (IELTS 6.5+ oder gleichwertig) und einen relevanten akademischen Hintergrund.

Bewerbungszeitraum

EMJMD-Bewerbungen öffnen im Oktober und schließen zwischen Dezember und Februar, je nach Programm. Ergebnisse kommen im März–April. Du bewirbst dich direkt beim Konsortium über dessen Website, nicht über deine Heimathochschule. Jedes Programm hat sein eigenes Bewerbungsportal, eigene Anforderungen und eigene Auswahlkriterien. Du kannst dich gleichzeitig bei mehreren EMJMD-Programmen bewerben.

Renommierte EMJMD-Programme nach Fachbereich

Einige der wettbewerbsstärksten und angesehensten EMJMD-Programme sind:

  • MESC+ (Materials for Energy Storage and Conversion): Hochschulen in Frankreich, Polen und Spanien. Starke Vermittlung in Forschung und Industrie.
  • EMLex (European Master in Lexicography): Deutschland, Ungarn, Südafrika. Einzigartige Spezialisierung mit soliden Karrierechancen in Verlagswesen und Digital Humanities.
  • EMMIR (Migration and Intercultural Relations): Deutschland, Norwegen, Tschechien. Direkt relevant für eine der zentralen politischen Herausforderungen Europas.
  • Copernicus Master in Digital Earth: Österreich, Frankreich, Deutschland. Verbindet Fernerkundung, Geoinformatik und Umweltwissenschaften.
  • MEDfOR (Mediterranean Forestry and Natural Resources): Portugal, Spanien, Türkei, Italien. Ideal für Umweltwissenschaftler mit Interesse an mediterranen Ökosystemen.

Blended Intensive Programs (BIPs)

BIPs sind die neueste Ergänzung von Erasmus+. Sie verbinden eine kurze physische Mobilität (mindestens 5 Tage, ohne Reisetage) mit einer verpflichtenden virtuellen Komponente. Studierende erwerben mindestens 3 ECTS-Punkte. Das Format eignet sich für alle, die aufgrund von Beruf, Familie oder finanziellen Einschränkungen kein ganzes Semester im Ausland verbringen können.

Die BIP-Förderung folgt einem Pauschalsystem: 79 €/Tag für die Tage 1–14 der physischen Mobilität und 56 €/Tag für die Tage 15–30. Reisekostenzuschüsse von 23 bis 1.500 € sind je nach Entfernung verfügbar. Deine Heimathochschule bewirbt verfügbare BIPs, und du bewirbst dich über dasselbe International Office, das auch die Credit Mobility betreut.

ECTS-Punkte und akademische Anerkennung

Jede Erasmus+-Mobilität muss in einer vollständigen akademischen Anerkennung resultieren. Das ist keine Option—es ist eine verbindliche Bedingung des Programms. Das Learning Agreement stellt sicher, dass im Ausland belegte Kurse die Kurse an der Heimathochschule auf Credit-Basis ersetzen. Deine Heimathochschule darf die Anerkennung von Credits, die im Learning Agreement vorab genehmigt wurden, nicht verweigern.

Das European Credit Transfer and Accumulation System (ECTS) standardisiert diesen Prozess. Ein ECTS-Punkt steht für 25–30 Stunden studentischer Arbeit. Eine volle Semesterbelastung umfasst in der Regel 30 ECTS. Die meisten Erasmus-Studierenden belegen 20–30 ECTS pro Auslandssemester. Wenn du in Deutschland oder Frankreich studierst, wirst du feststellen, dass Kurse bereits in ECTS ausgewiesen sind, was die Anerkennung unkompliziert macht.

Häufige Fehler, die Studierende die Förderung kosten

Die Ablehnungs- und Rückforderungsraten bei Erasmus+ sind niedrig, aber sie sind nicht null. Die häufigsten Probleme sind:

  • Interne Frist verpasst. Die Frist deiner Hochschule zählt mehr als die der Gasthochschule. Verpasst du sie um einen Tag, wird deine Bewerbung nicht bearbeitet.
  • Unvollständiges Learning Agreement eingereicht. Alle drei Unterschriften sind vor der Abreise erforderlich. Manche Studierende verschieben das auf die letzte Woche und stellen dann fest, dass ihr Heimatkoordinator im Urlaub ist.
  • Mindest-ECTS-Anforderung nicht erfüllt. Du musst genügend Kurse bestehen, um die Credit-Mindestanforderung deines Learning Agreements zu erfüllen. Fällst du in zu vielen Kursen durch, kann deine nationale Agentur eine teilweise Rückzahlung des Zuschusses fordern.
  • Änderungen nicht gemeldet. Wenn du nach der Ankunft Kurse wechselst, musst du innerhalb von 5 Wochen nach Semesterbeginn eine Learning-Agreement-Änderung einreichen. Nicht genehmigte Änderungen können die Anerkennung von Credits ungültig machen.
  • Zu spät angekommen oder zu früh abgereist. Der Zuschuss deckt einen bestimmten Zeitraum ab. Ist dein tatsächlicher Aufenthalt kürzer als angegeben, wird der Zuschuss neu berechnet und du musst möglicherweise Geld zurückzahlen.

Erasmus+ für Nicht-EU-Studierende

Credit Mobility richtet sich in erster Linie an Studierende, die an Hochschulen in Erasmus+-Programmländern eingeschrieben sind (EU-Mitglieder plus Island, Liechtenstein, Norwegen, Nordmazedonien, Türkei und Serbien). Wenn du ein Nicht-EU-Studierender bist, der an einer EU-Hochschule eingeschrieben ist, bist du voll berechtigt. Bist du an einer Hochschule außerhalb Europas eingeschrieben, kannst du nicht auf Credit Mobility zugreifen, aber dich für Erasmus Mundus oder International Credit Mobility (ICM) bewerben.

ICM ermöglicht es Hochschulen in Programmländern, Studierende mit Partnerland-Institutionen auszutauschen. Die Förderhöhen sind höher: 700 €/Monat für Masterstudierende und 1.000 €/Monat für Doktoranden. Reisekosten werden separat übernommen. Deine Heimathochschule muss ein ICM-Abkommen mit einem europäischen Partner haben. Die Zahl der ICM-Plätze ist begrenzt und wettbewerbsintensiv.

Ländervergleich: Wohin Erasmus-Studierende gehen

Spanien, Deutschland, Frankreich, Italien und Portugal sind die fünf beliebtesten Erasmus+-Zielländer. So schneiden sie für einreisende Erasmus-Studierende ab:

Land Monatliche Lebenshaltungskosten Studiengebühren (Erasmus) Sprachanforderung Englischsprachige Programme
Spanien 700–1.100 € Keine B1 Spanisch empfohlen Zunehmend, v. a. auf Masterniveau
Deutschland 850–1.400 € Keine B1 Deutsch oder Englisch Über 2.000 Programme
Frankreich 800–1.300 € Keine B2 Französisch empfohlen Über 1.500 Programme
Italien 700–1.100 € Keine B1 Italienisch empfohlen Zunehmend auf Masterniveau
Niederlande 900–1.400 € Keine Englisch weitgehend ausreichend Die meisten Masterprogramme

Erasmus-Studierende zahlen keine Studiengebühren an der Gasthochschule. Du zahlst weiterhin etwaige Gebühren an deiner Heimatinstitution. In Ländern wie Deutschland, wo öffentliche Hochschulen ohnehin keine Studiengebühren erheben, ergibt sich in Kombination mit dem monatlichen Zuschuss ein nahezu kostenfreies akademisches Szenario.

Erasmus+ mit anderen Förderungen kombinieren

Erasmus+-Zuschüsse sind mit den meisten nationalen und institutionellen Stipendien kompatibel. Du kannst Erasmus+ nicht mit einer anderen EU-finanzierten Mobilitätsförderung für denselben Zeitraum kombinieren, aber du kannst es mit Folgendem kumulieren:

  • Nationale Studienförderung (BAföG in Deutschland, CROUS in Frankreich, CSN in Schweden)
  • Universitäre Leistungsstipendien
  • Stipendien privater Stiftungen
  • Teilzeitarbeit im Gastland (Arbeitserlaubnisregeln beachten)

In Deutschland dürfen Erasmus-Studierende bis zu 20 Stunden pro Woche während des Semesters arbeiten. In Frankreich gilt ein Limit von 964 Stunden pro Jahr (rund 20 Stunden/Woche). In Spanien dürfen Studierende mit Studierendenvisum bis zu 20 Stunden/Woche mit Genehmigung des Arbeitgebers arbeiten.

Alltag als Erasmus-Studierender

Das Erasmus Student Network (ESN) ist an über 1.000 Hochschulen in 42 Ländern aktiv. Lokale ESN-Sektionen organisieren Orientierungsveranstaltungen, Stadtführungen, Tandem-Sprachprogramme und soziale Aktivitäten. Die ESNcard (10 €) gewährt Rabatte auf Reisen, Unterkünfte und kulturelle Veranstaltungen in ganz Europa.

Die Wohnsituation variiert je nach Zielland. In Deutschland reservieren Studentenwerke häufig Zimmer für Austauschstudierende. In Spanien sind private Wohngemeinschaften (pisos compartidos) die Norm. In Frankreich bieten CROUS-Residenzen günstige Zimmer, haben aber lange Wartelisten. Beginne die Wohnungssuche sofort nach Erhalt deiner Zusage.

Der Wechsel der akademischen Kultur überrascht viele Studierende. Deutsche Hochschulen setzen auf eigenständiges Lernen mit weniger Abgaben und einer großen Prüfung pro Kurs. Französische Grandes Écoles haben starre Stundenpläne mit fortlaufender Bewertung. Spanische Universitäten liegen irgendwo dazwischen. Anpassungsfähigkeit ist Teil der Erfahrung—und Teil dessen, was Arbeitgeber an Erasmus-Alumni schätzen.

Die Erasmus+ App und digitale Tools

Die Erasmus+ App (gestartet 2021, großes Update 2024) bündelt deinen gesamten Mobilitätsprozess. Über die App kannst du:

  • Dein Learning Agreement digital unterschreiben (Online Learning Agreement—OLA)
  • Auf deine European Student Card zugreifen
  • ESN-Veranstaltungen und lokale Infos finden
  • Dich mit anderen Erasmus-Studierenden an deinem Zielort vernetzen
  • Verwaltungsdokumente verwalten

Die European Student Card Initiative bedeutet, dass dein Studierendenausweis von deiner Heimathochschule europaweit anerkannt wird. Das gibt dir Zugang zu Studierendenrabatten bei Nahverkehr, Museen und kulturellen Einrichtungen im Gastland, ohne einen lokalen Studierendenausweis zu benötigen.

Karrierewirkung von Erasmus+

Die Erasmus+ Impact Study der Europäischen Kommission (2024) ergab, dass Erasmus-Alumni fünf Jahre nach dem Abschluss eine um 23 % niedrigere Arbeitslosenquote haben als Gleichaltrige, die nicht im Ausland waren. Arbeitgeber nennen durchgängig interkulturelle Kompetenz, Sprachkenntnisse und Anpassungsfähigkeit als die wichtigsten Vorteile bei der Einstellung von Erasmus-Alumni. In Bereichen wie internationalem Business, Diplomatie, EU-Politik und multinationalem Unternehmensmanagement ist Erasmus-Erfahrung fast eine Grundvoraussetzung.

Über Beschäftigungsstatistiken hinaus prägt Erasmus persönliche Netzwerke. Die Alumni-Befragung des Programms zeigt, dass 33 % der ehemaligen Erasmus-Studierenden eine Partnerin oder einen Partner aus einem anderen Land haben. Jeder Vierte hat diese Person während des Austauschs kennengelernt. Die grenzüberschreitenden Verbindungen, die während Erasmus entstehen, halten jahrzehntelang und bilden häufig das Fundament internationaler Karrieren.

Häufig gestellte Fragen

Wie viel Geld erhalten Erasmus-Studierende pro Monat?

Die monatlichen Zuschüsse liegen zwischen 330 und 750 € je nach Zielland und ob du studierst oder ein Praktikum absolvierst. Studierende, die in Hochkostenländer wie Dänemark oder Schweden gehen, erhalten mehr als jene, die in günstigere Länder wie Polen oder Rumänien ziehen. Praktikumszuschüsse liegen 150 €/Monat über den Studienzuschüssen. Studierende aus benachteiligten Verhältnissen erhalten zusätzlich 250 €/Monat.

Kann ich Erasmus+ außerhalb Europas machen?

Credit Mobility ist auf Erasmus+-Programmländer beschränkt (EU plus assoziierte Staaten). International Credit Mobility (ICM) ermöglicht Austausche mit Partnerland-Hochschulen weltweit, aber die Plätze sind begrenzt und abhängig von bilateralen Abkommen. Erasmus Mundus Joint Master Degrees sind global ausgerichtet und akzeptieren Bewerber aus jedem Land.

Zahle ich Studiengebühren an der Gasthochschule während Erasmus?

Nein. Erasmus+-Studierende sind von Studiengebühren, Einschreibegebühren und Prüfungsgebühren an der Gasthochschule befreit. Du zahlst weiterhin etwaige Gebühren an deiner Heimatinstitution. Kosten für Versicherung, Vereinsmitgliedschaften oder Kopiergebühren können an manchen Gasthochschulen trotzdem anfallen.

Wie wettbewerbsintensiv ist das Erasmus-Mundus-Stipendium?

Aufnahmequoten variieren je nach Programm, liegen aber typischerweise zwischen 3 und 10 %. Beliebte Programme in Ingenieurwesen, Informatik und Internationalen Beziehungen erhalten Tausende von Bewerbungen für 15–30 Stipendienplätze. Starke akademische Leistungen, relevante Erfahrung und ein überzeugendes Motivationsschreiben sind unverzichtbar. Bewirb dich bei mehreren EMJMD-Programmen, um deine Chancen zu erhöhen.

Darf ich während Erasmus+ arbeiten?

Die Regeln hängen vom Gastland ab. In den meisten EU-Ländern dürfen eingeschriebene Studierende in Teilzeit arbeiten. Deutschland erlaubt bis zu 20 Stunden/Woche. Frankreich gestattet 964 Stunden/Jahr. Spanien verlangt eine Genehmigung des Arbeitgebers. Arbeiten beeinflusst deinen Erasmus-Zuschuss nicht—der Zuschuss ist nicht einkommensabhängig. Lies unsere Länderguides für Deutschland, Frankreich und Spanien für aktuelle Regeln.

Was passiert, wenn ich Kurse im Erasmus-Semester nicht bestehe?

Du musst genügend Kurse bestehen, um die Credit-Mindestanforderung deines Learning Agreements zu erfüllen. Fällst du in allen Kursen durch, kann deine nationale Agentur eine teilweise oder vollständige Rückzahlung des Zuschusses verlangen. Ein einzelner nicht bestandener Kurs ist in der Regel kein Problem, solange du das Gesamt-Credit-Ziel erreichst. Kommuniziere frühzeitig mit deinem Heim- und Gastkoordinator, wenn du akademische Schwierigkeiten hast.

Kann ich meinen Erasmus-Aufenthalt verlängern?

Verlängerungen sind möglich, wenn deine Heimathochschule zustimmt und die Gasthochschule Kapazitäten hat. Du musst die Verlängerung vor deinem ursprünglichen Enddatum beantragen. Die maximale Erasmus-Mobilität pro Studienzyklus (Bachelor, Master, Promotion) beträgt 12 Monate. Wenn du ein Semester (5 Monate) absolviert hast, kannst du um bis zu 7 Monate im selben Zyklus verlängern. Verlängerungen erhalten denselben monatlichen Zuschuss.

Gibt es Erasmus+ für Doktoranden?

Doktoranden können an Credit Mobility für Forschungsaufenthalte von 2–12 Monaten an einer Partnerhochschule teilnehmen. Der monatliche Zuschuss ist derselbe wie für Masterstudierende. Erasmus Mundus finanziert einige gemeinsame Promotionsprogramme, die allerdings seltener sind als gemeinsame Masterstudiengänge. Doktoranden haben außerdem Zugang zu Erasmus+ Staff Mobility für kurze Lehr- oder Fortbildungsaufenthalte.

Nächste Schritte

Starte beim International Office deiner Hochschule. Bitte um die Liste der Erasmus-Partnerhochschulen in deinem Fachbereich. Prüfe die Vorlesungsverzeichnisse der Partnerinstitutionen, die dich interessieren. Beginne mit der Sprachvorbereitung, falls nötig—die meisten Gasthochschulen verlangen B1- oder B2-Kenntnisse. Lies unsere länderspezifischen Guides für Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien und die Niederlande, um zu verstehen, was ein Studium in jedem Land jenseits des Austauschs selbst bedeutet.

Tags: Erasmus+ Stipendien Europa Finanzierung Finanzen